Der KI eine feste Rolle geben: eigene Anweisungen, die in jedem Gespräch gelten
Wer eine KI regelmässig für dieselbe Arbeit nutzt, korrigiert oft immer wieder dieselben Dinge: zu werblich, zu lang, falsche Schreibweise, erfundene Details. Die Lösung ist kein besserer Einzelprompt, sondern eine Stellenbeschreibung, die du einmal schreibst und immer wieder verwendest.
Der Unterschied liegt im ersten Absatz
Der grösste Unterschied zwischen Gelegenheits- und Profi-Nutzung liegt im ersten Absatz des Gesprächs. Gelegenheitsnutzer starten mit der Aufgabe: „Kannst du diesen Text besser machen?" Jedes Gespräch beginnt bei null, die Ergebnisse schwanken, und dieselben Korrekturen fallen jedes Mal neu an.
Profis starten mit einem Arbeitsvertrag: Wer bist du, wofür bist du zuständig, wie arbeitest du, was tust du nicht. Danach enthält der Prompt nur noch das Neue, also den Text und den Auftrag. Die Ergebnisse werden vergleichbar und mit jeder Verfeinerung des Vertrags besser.
Die vier Bausteine der Stellenbeschreibung
- Rolle und Erfahrung: nicht „du bist ein Assistent", sondern konkret, zum Beispiel „du bist Lektorin für Fachtexte im Finanzbereich mit Blick für Verständlichkeit".
- Arbeitskontext: Branche, Zielgruppe, Sprache, Tonalität. Nicht „für unsere Kunden", sondern „für Geschäftsleitungen von Schweizer KMU, sachlich, keine Superlative".
- Arbeitsregeln: wie die KI mit Unsicherheit umgeht, wann sie nachfragt, welche Formate sie liefert. Nicht „arbeite sorgfältig", sondern „wenn dir eine Zahl fehlt, schreib sie als offene Frage auf, statt sie zu schätzen".
- Grenzen: was ausserhalb des Auftrags liegt und an dich zurückgeht. Nicht „sei vorsichtig bei heiklen Themen", sondern „rechtliche Bewertungen und Zusagen an Kunden formulierst du nicht, die markierst du für mich".
In allen vier Bausteinen gilt dasselbe Prinzip: Das Allgemeine bringt nichts, das Konkrete verändert das Ergebnis. „Arbeite sorgfältig" kann die KI nicht umsetzen, eine klare Regel für fehlende Zahlen schon.
Die Vorlage zum Kopieren
Der letzte Absatz ist wichtiger, als er aussieht. Die KI bestätigt die Rolle und fragt nach, was ihr fehlt. In diesen Rückfragen zeigt sich oft, welche Angabe du vergessen hast, und du kannst die Vorlage gleich ergänzen.
Wohin damit: feste Plätze statt Kopieren
Damit du den Block nicht in jedes Gespräch kopieren musst, bieten die meisten KI-Dienste dafür feste Plätze an. In Claude kannst du in den Einstellungen persönliche Vorgaben hinterlegen und mit Projekten arbeiten, die eigene Anweisungen tragen. Der Effekt ist derselbe: Jedes neue Gespräch startet bereits mit deinem Arbeitsvertrag, und du beginnst direkt bei der Aufgabe.
Wenn dein Dienst keinen solchen Platz hat, reicht eine Notiz-App. Du fügst den Block am Anfang jedes Gesprächs ein, das dauert wenige Sekunden.
Derselbe Vertrag, andere Arbeit
Das Muster hängt nicht am Beruf. Es wechseln nur die Angaben in den vier Bausteinen.
- Schreinerei: Rolle „Assistent für Kundenofferten", Kontext Privatkunden aus der Region, Regel „Preise ausschliesslich aus der Preisliste, die ich dir gebe", Grenze „verbindliche Termine sagt der Betrieb zu, nicht du".
- Schule: Rolle „Assistentin für Unterrichtsmaterial", Kontext achte Klasse, einfache Sprache, Regel „zu jeder Aufgabe der Lösungsweg, nicht nur das Resultat", Grenze „keine Beurteilung einzelner Schülerinnen und Schüler".
- Vereinsvorstand: Rolle „Protokollführer", Kontext ehrenamtlich, wenig Zeit, Regel „Beschlüsse und Pendenzen immer getrennt auflisten, mit Zuständigkeit", Grenze „Personelles bleibt aus dem Protokoll".
Beispiel: Statusberichte für die Geschäftsleitung
Ein erfundenes, aber typisches Beispiel: Eine Projektleiterin schreibt jede Woche Statusberichte und ärgert sich über dieselben zwei Dinge. Die Entwürfe klingen werblich, und wo Angaben fehlen, füllt die KI die Lücke mit plausibel klingenden Zwischenständen.
Ihr Arbeitsvertrag räumt beides ab. Die Zielgruppe ist beschrieben: Geschäftsleitung, wenig Zeit, will Zahlen und Entscheidungsbedarf sehen, keine Prosa. Dazu kommen zwei Regeln: Zahlen nur aus dem mitgelieferten Material übernehmen, und jede fehlende Angabe als offene Frage aufschreiben, statt sie zu füllen. Bewertungen von Personen liegen ausserhalb des Auftrags und gehen an sie zurück. Seither korrigiert sie Inhalte statt Stilfragen. Genau das ist der Zweck: Die wiederkehrenden Ärgernisse sind ein für alle Mal erledigt, und die Aufmerksamkeit ist frei für das Wesentliche.
Der Arbeitsvertrag lebt
Behandle deine Stellenbeschreibung wie ein Dokument, nicht wie einen Einfall. Leg sie in einer Notiz-App ab und ergänze sie jedes Mal, wenn dich ein Ergebnis stört. Aus „schon wieder zu werblich" wird die Regel „keine Werbesprache, keine Superlative". Aus „schon wieder zu lang" wird eine Vorgabe zur Länge. Nach ein paar Wochen hast du ein Setup, das deine Ansprüche kennt, bevor du sie aussprichst.
Eine Grenze bleibt auch mit dem besten Vertrag bestehen: Die Regel „erfinde nichts" senkt das Risiko, sie schafft es nicht ab. Zahlen, Namen und Zitate prüfst du weiterhin selbst, bevor etwas dein Haus verlässt.
Jetzt du
Nimm eine Aufgabe, für die du die KI regelmässig brauchst, und schreib den Arbeitsvertrag dafür: Rolle, Kontext, drei bis fünf Arbeitsregeln, eine Grenze. Nutze die Vorlage oben und füll die Klammern mit deinen echten Angaben. Starte damit ein Gespräch, beantworte die Rückfragen und speichere die fertige Fassung in deiner Notiz-App.
Falls dir die Grundlagen noch fehlen, fang beim Artikel über gute Prompts in vier Bausteinen an. Wie du einzelne Antworten gezielt verbesserst, zeigt der Artikel über Prompting-Techniken für bessere KI-Antworten.