Gute Prompts schreiben: die vier Bausteine, die fast immer reichen
Wer von Claude oder ChatGPT enttäuscht ist, hat meistens zu wenig gesagt. Vier Bausteine machen aus einer vagen Frage eine Anweisung, mit der die KI arbeiten kann. Hier stehen sie mit Beispielen aus dem Alltag.
Was ein Prompt ist und warum er oft scheitert
Ein Prompt ist nichts Technisches. Es ist die Anweisung, die du ins Textfeld tippst, so wie du einer Person eine Nachricht schreiben würdest. Du schilderst deine Situation, die KI liefert eine fertige Antwort, einen fertigen Text oder einen fertigen Plan.
Der Haken: Die KI weiss nur, was du ihr sagst. Wer „Schreib mir eine Absage" tippt, zwingt sie zum Raten. Absage an wen? Warum? Wie herzlich? Jede geratene Antwort passt mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zu deiner Lage. Das Ergebnis wirkt dann austauschbar, und der Schluss liegt nahe, die KI tauge nichts. In den meisten Fällen stimmt das nicht. Ein schlechtes Ergebnis ist fast immer die Folge einer unscharfen Frage.
Die gute Nachricht: Es braucht keine Tricks. Vier Bausteine decken den Alltag ab.
Die vier Bausteine: Rolle, Aufgabe, Kontext, Format
1. Rolle
Sag der KI, wer sie sein soll. „Du bist ein erfahrener Steuerberater" liefert andere Antworten als gar keine Rolle. Die Rolle bestimmt Blickwinkel und Tonlage: Ein geduldiger Lehrer erklärt anders als ein kritischer Prüfer. Die Hilfsfrage dazu lautet: Von welcher Fachperson würde ich mir diese Antwort wünschen?
2. Aufgabe
Was genau soll passieren? Am besten steht ein klares Verb im Satz: schreibe, fasse zusammen, vergleiche, plane. „Hilf mir mit meiner Bewerbung" ist unklar. „Überarbeite mein Anschreiben und mache es überzeugender" ist eine Aufgabe, die sich ausführen lässt.
3. Kontext
Alles, was die KI wissen muss: für wen das Ergebnis ist, in welchem Ton, unter welchen Bedingungen. Diesen Teil lassen Anfängerinnen und Anfänger am häufigsten weg, darum bekommt er weiter unten einen eigenen Abschnitt.
4. Format
Wie soll die Antwort aussehen? Stichpunkte, Tabelle, kurze E-Mail, 100 Wörter. Ohne Angabe entscheidet die KI selbst, und das Ergebnis ist oft länger und anders aufgebaut, als du es brauchst.
Als Eselsbrücke dient R-A-K-F: Rolle, Aufgabe, Kontext, Format. Nicht jeder Prompt braucht alle vier. Aber je wichtiger die Aufgabe ist, desto mehr davon lohnen sich.
Ein Prompt entsteht Schritt für Schritt
Am Beispiel wird es greifbar. So wächst aus einer schwachen Frage ein starker Prompt:
- Nur Aufgabe: „Was soll ich diese Woche kochen?"
- Plus Rolle: „Du bist ein freundlicher Ernährungsberater."
- Plus Kontext: drei gesunde Abendessen für zwei Personen, kein scharfes Essen.
- Plus Format: ein Einkaufszettel, sortiert nach Lebensmittelgruppen.
Alles zusammen ergibt diesen Prompt:
Die erste Version liefert eine beliebige Liste mit Gerichten. Die letzte liefert etwas, das du am Samstag in den Laden mitnehmen kannst. Der Unterschied sind drei zusätzliche Sätze.
Kontext: der Baustein, der am häufigsten fehlt
Eine einfache Regel hilft: Stell dir vor, du gibst die Aufgabe einer neuen Mitarbeiterin, die dich nicht kennt. Alles, was sie wissen müsste, gehört in den Prompt. Vier Fragen decken fast alles ab:
- Ziel: Was willst du am Ende erreichen?
- Empfänger: Für wen ist das Ergebnis, und wie ist eure Beziehung?
- Fakten: Welche Daten, Namen und Zahlen müssen vorkommen?
- Grenzen: Was soll auf keinen Fall drinstehen?
Aus der vagen Absage von oben wird damit:
Diese Version ergibt eine Nachricht, die du fast unverändert verschicken kannst. Dasselbe gilt im Kleinen: „Schreib eine Geburtstagskarte" wird brauchbar, sobald du ergänzt, dass sie für die Grossmutter zum 80. Geburtstag ist, herzlich und persönlich klingen soll, dass sie ihren Garten liebt und dass fünf Sätze reichen.
Wenn eine Antwort nicht passt, liegt es fast immer an fehlendem Kontext. Ergänze eine Information und frag noch einmal, in derselben Unterhaltung. Die KI kennt den bisherigen Verlauf, du musst nichts wiederholen.
Vier Fehler, die fast alle am Anfang machen
- Zu vage. „Mach mir einen Text" ist zu wenig. Sag worüber, wie lang und für wen. Aus „Schreib was für die Abschiedskarte" wird „Schreib drei kurze, warme Sätze für die Abschiedskarte einer Arbeitskollegin, die nach acht Jahren die Stelle wechselt."
- Alles auf einmal. Grosse Aufgaben gehören in Schritte zerlegt. Wer „Plane meine Hochzeit" schreibt, bekommt Brei. Wer zuerst eine Grobstruktur mit den wichtigsten Themenblöcken verlangt und sich dann Block für Block vorarbeitet, bekommt Qualität.
- Nicht nachhaken. Die erste Antwort ist ein Entwurf, kein Endprodukt. „Kürzer", „förmlicher" oder „nimm den letzten Absatz raus" verbessern das Ergebnis sofort. Zwei bis vier Runden sind normal.
- Blind vertrauen. Eine KI ist ein fähiger Assistent, aber kein Orakel. Zahlen, Termine und wichtige Fakten prüfst du selbst nach. Je wichtiger die Folgen sind, desto genauer: Bei einer Geburtstagskarte reicht Durchlesen, bei einer Kündigungsfrist schaust du in den Vertrag.
Eine Vorlage für den Anfang
Wer die vier Bausteine nicht jedes Mal neu zusammensetzen will, speichert sich eine Vorlage. Die eckigen Klammern sind Platzhalter: Du ersetzt sie durch deine Angaben, der Rest bleibt stehen.
Jetzt du
Schreib drei Aufgaben auf, die dich letzte Woche Zeit oder Nerven gekostet haben, zum Beispiel eine E-Mail, ein Behördenbrief oder eine Planung. Nimm die erste und stell sie der KI zweimal: einmal nur als nackte Aufgabe, einmal mit Rolle, Kontext und Format. Leg die beiden Antworten nebeneinander. Der Unterschied überzeugt mehr als jede Erklärung, und er kostet dich eine Minute.
Die Bausteine funktionieren in Claude genauso wie in ChatGPT oder Gemini. Die kostenlosen Versionen reichen dafür aus.