E-Mails mit KI schreiben lassen: so sitzt die Geschäftsmail in zwei Minuten
Die meiste Zeit bei einer Mail geht für die Suche nach Worten drauf, nicht für den Inhalt. Genau diesen Teil kann eine KI übernehmen. Hier steht, was in den Prompt gehört, damit die Mail trotzdem nach dir klingt.
Du führst Regie, die KI formuliert
E-Mails sind die häufigste Büroaufgabe, und bei kaum einer anderen lässt sich mit KI so direkt Zeit gewinnen. Der Handgriff ist einfach: Du überlässt Claude oder ChatGPT die Rohfassung und führst selbst nur noch Regie. Du gibst Stichworte, Empfänger und Ton vor, die KI formuliert aus.
Wichtig ist, was dabei bei dir bleibt. Die Denkarbeit, also was du sagen willst und was der Empfänger danach tun soll, gibst du nicht ab. Delegiert ist nur die Formulierungsarbeit. Deshalb klingt die Mail auch nach dir, solange deine Stichworte und deine Tonvorgabe drinstecken.
Warum „Schreib eine Mail an den Lieferanten" nicht reicht
Wer zu knapp bestellt, bekommt eine austauschbare Mail. Ein Beispiel:
- Zu knapp: „Schreib eine Mail an einen Lieferanten wegen Verspätung."
- Besser: „Schreib eine Mail an unseren Lieferanten: Die Lieferung vom Montag ist immer noch nicht da, wir brauchen sie bis Freitag, sonst geraten wir selbst in Verzug. Ton: freundlich, aber mit klarer Frist. Maximal 100 Wörter, per Sie."
Die zweite Fassung enthält alles, was die KI sonst raten müsste: was passiert ist, bis wann was gebraucht wird, wie streng es klingen darf und wie lang die Mail sein soll.
Die vier Angaben, die in jeden Mail-Prompt gehören
- Empfänger und Beziehung: Chefin, Kunde, Kollege aus dem Nachbarteam? Das ändert alles.
- Kernbotschaft in Stichworten: was gesagt werden muss, inklusive Fristen und Zahlen.
- Ton und Länge: „freundlich und knapp", „förmlich", „maximal 80 Wörter".
- Gewünschte Reaktion: Soll der Empfänger antworten, entscheiden oder etwas erledigen?
Als Vorlage zum Kopieren sieht das so aus:
Der letzte Satz lohnt sich. Ohne ihn beginnen KI-Mails gern mit Höflichkeitsformeln, die im Büroalltag niemand schreibt.
Beispiel: aus fünf Stichworten eine fertige Mail
Ein Kunde hat nach einem früheren Liefertermin gefragt. Du tippst nur das hier:
Zurück kommt eine Mail, die die Absage sauber verpackt, das Entgegenkommen in den Vordergrund stellt und mit einer klaren Frage endet. Du liest sie einmal gegen, passt vielleicht ein Wort an und schickst sie ab. Das Gegenlesen gehört immer dazu: Für den Inhalt bist du verantwortlich, nicht das Werkzeug.
Noch schneller: antworten statt schreiben
Bei Antworten brauchst du fast nichts zu erklären, weil die Ausgangsmail den Kontext liefert. Füge die erhaltene Mail ein und schreib darunter nur: „Antworte: ja, aber erst nächste Woche möglich, freundlich". Die KI übernimmt den Rest und trifft den Ton der Ausgangsmail.
Lange Mail-Verläufe zusammenfassen lassen
Nach den Ferien wartet oft ein Thread mit zwanzig Antworten. Für die KI ist ein langer Mail-Verlauf ein Dokument wie jedes andere. Statt dich durchzuwühlen, lässt du dir den Stand geben:
Direkt danach kannst du in derselben Unterhaltung die Antwort bestellen: „Entwirf eine Antwort, die die zwei offenen Fragen an mich beantwortet", gefolgt von deinen Stichworten. So bist du nach dem Öffnen des Threads nicht nur informiert, sondern hast schon geantwortet. Wie verlässlich das bei deinen Mails klappt, testest du am besten an einem alten Verlauf, dessen Stand du kennst.
Was nicht in die KI gehört
Im Job gilt eine Grenze, die es privat so nicht gibt: Vertrauliches bleibt vertraulich.
- Die Firmenrichtlinie geht vor. Wenn dein Arbeitgeber Vorgaben zur KI-Nutzung hat, gelten die. Im Zweifel fragst du nach, bevor du Arbeitsinhalte eingibst.
- Personendaten sind tabu. Namen, Adressen, Lohn- und Gesundheitsdaten von Kunden oder Mitarbeitenden gehören ohne ausdrückliche Erlaubnis in kein externes Tool.
- Geschäftsgeheimnisse ebenso. Unveröffentlichte Zahlen, Verträge und Kundenlisten behandelst du wie Papierdokumente, die das Haus nicht ohne Freigabe verlassen.
Gibt es keine Richtlinie, hilft eine Faustregel: nichts eingeben, was du nicht auch einem externen Dienstleister ohne Vertrag schicken würdest.
Die gute Nachricht: Fast jede Mail lässt sich mit Platzhaltern schreiben. Aus „Offerte für die Muster AG" wird „Offerte für Kunde A", aus dem Betrag wird [BETRAG]. Die Formulierungshilfe ist dieselbe, und die echten Angaben setzt du im Mailprogramm selbst wieder ein.
Für Formulierung, Struktur und Ton braucht die KI fast nie echte Namen und echte Zahlen. Was die Aufgabe nicht braucht, bleibt draussen.
Jetzt du
Nimm die nächste Mail, die du sowieso schreiben musst. Notiere zuerst nur Stichworte, Empfänger, Ton und gewünschte Reaktion und lass sie mit der Vorlage oben ausformulieren. Stoppe die Zeit und vergleiche sie mit deiner üblichen Schreibdauer. Wenn du die Grundlagen des Promptens noch einmal nachlesen willst, findest du sie im Artikel über die vier Bausteine eines guten Prompts.